Pressemitteilung: Zwei Ehrungen
für Völkerverständigung und Integration

In Berlin wurden die Preisträger des diesjährigen Stiftungspreises

der Helga und Edzard Reuter-Stiftung geehrt.


30. Oktober 2012

Den mit 30.000 Euro dotierten Preis für besondere Leistungen auf den Gebieten der Integration und Völkerverständigung teilen sich der Journalist Michael Thumann und die "Stadtteilmütter" vom Diakonischen Werk in den Berliner Stadtteilen Mitte und Neukölln-Oberspree. Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse lobte als Festredner das Engagement der Stiftung, die sich seit 1995 für Völkerverständigung und Integration einsetzt.

Preisträger Michael Thumann arbeitet in Istanbul als Ressortleiter der Mittelost-Redaktion für die Wochenzeitung "Die Zeit". In seinen Artikeln und Büchern informiert er seit Jahren über die unterschiedlichen Ethnien in der Region. Damit trage er dazu bei, dass den Leserinnen und Lesern ein differenziertes Bild der Menschen und ihrer politischen, religiösen und kulturellen Lebenswelten vermittelt wird, erläuterte Jury-Präsident Edzard Reuter in seiner Laudatio.

In der Laudatio von Dilek Kolat auf die "Stadtteilmütter" hob die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen beim Senat von Berlin hervor, dass die berufliche Qualifikation von Müttern nichtdeutscher Herkunft dazu diene, diese als Multiplikatoren zu befähigen, um in ihren ethnischen Gemeinschaften Familien bei der Integration in die deutsche Gesellschaft zu unterstützen. Dies sei ein für Deutschland beispielhaftes Projekt.


Der Wahrheit verpflichtet

Edzard Reuter sagte in seiner Laudatio, mit Michael Thumann werde ein Journalist gewürdigt, der "seit Jahren sein ganzes Wissen, seine ganze Begabung, seine ganze Neugier und seinen ganzen Mut dafür einsetzt, selbst verstehen zu lernen und uns verstehen zu lehren, was die Menschen bewegt und prägt." Thumann sei ein Vertreter eines "verantwortungsbewussten Journalismus, … der Wahrheit verpflichtet, ohne seine eigene Meinung zu verstecken". Er verfüge zudem über die Fähigkeit, "in unbestechlicher Klarheit überzeugend zu berichten, wie ungeheuer komplex die Welt geworden ist".

Reuter erinnerte daran, wie schwer es sei, "unter dem Druck eines verwirrend komplexen Geschehens nach der Wahrheit zu suchen, wo es kein Schwarz und kein Weiß als verlässliche Maßstäbe gibt". Journalistisches Verantwortungsbewusstsein dürfe sich deshalb weniger denn je kommerziellen Vorgaben unterordnen oder den strategischen Interessen der Medienhäuser beugen.


Erfolgsgeschichte der Integration

"Mit den seit 2004 aktiven "Stadtteilmüttern" erreichen wir Familien, die wir sonst nur schwer erreichen", sagte Dilek Kolat in ihrer Laudatio. Das Projekt sei damit "ein Beispiel für die Förderung von sozialer Verantwortung und Teilhabe", betonte die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen beim Senat von Berlin.

Gerade sozial benachteiligte Zuwandererfamilien würden die Hausbesuche der "Stadtteilmütter" gerne annehmen, erläuterte die Senatorin. "Sie sprechen ihre Sprache" – auch im übertragenen Sinne. Zudem würden sie "in vielen sensiblen Bereichen helfen, die Zielgruppe der schwer erreichbaren Familien anzusprechen." Dilek Kolat lobte, das Projekt erfülle "in hohem Maße und auf ganz praktische Weise den Gründungsgedanken der Helga und Edzard Reuter-Stiftung, denn es befördert mit seiner Arbeit das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland und bringt die Integration in unserer Stadt voran".


Über die Stiftung

Mit dem Ziel der Völkerverständigung fördert und unterstützt die gemeinnützige Helga und Edzard Reuter-Stiftung praktische Arbeit und wissenschaftliche Forschung für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Die Stiftung wurde 1995 als treuhänderische Stiftung in der Verwaltung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft errichtet.

Die Auswahl der Preisträger und die Festlegung der Höhe der Auszeichnungen wird vom Kuratorium bestimmt. Neben dessen Gründern Helga und Edzard Reuter gehören ihm derzeit an: Prof. Barbara John, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolf Lepenies und Dr. Ambros Schindler. Die Ehrungen für das Jahr 2012 sind mit jeweils 15.000,00 Euro dotiert.

Edzard Reuter, Sohn des legendären Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter, war Daimler-Benz-Vorstandsvorsitzender. Er ist Ehrenbürger Berlins und wirkt in vielen kulturellen und wissenschaftlichen Förderkreisen und Stiftungen mit.